Getippt: ZWISCHEN DEN STÜHLEN

von cinemaclaco

„Bevor man in Deutschland als richtiger Lehrer an einer Schule arbeiten kann, muss nicht nur ein theorielastiges Studium absolviert werden, sondern nach dessen Abschluss auch noch ganz ordnungsgemäß ein Referendariat. Doch dieses bringt viele angehende Lehrer in eine schwierige und fast schon paradoxe Position: Sie unterrichten bereits Schüler, obwohl sie in gewissem Sinne selbst noch Schüler sind und ihren Beruf immer noch erlernen, sie benoten die Kinder und werden ihrerseits von ihren Dozenten und Professoren benotet. Und auch abseits dieser problematischen Situation ist der Berufsalltag zwischen schwierigen Schülern, besorgten Eltern, neidischen Kollegen und Angst vor Prüfungen nicht immer leicht. In „Zwischen den Stühlen“ begleitet Jakob Schmidt drei Referendare auf ihrem Weg zum Examen.“ (Weltkino)

Die Leipziger Cinémathèque in der naTo zeigt am 23.11.2017 um 19:30 Uhr ZWISCHEN DEN STÜHLEN. Im Anschluss an die Filmvorführung findet eine Podiumsdiskussion statt zum Thema „Das Bild von Lehrer_innen in der Gesellschaft – Verändertes Berufsfeld, attraktives Berufsfeld?“ mit Holger Mann, MdL SPD-Landtagsfraktion, sowie Vertreter_innen aus Gewerkschaft, Bildungsforschung und Junglehrer_innen. Der Eintritt ist frei.


© der Film- und Personenbilder beim jeweiligen Studio/Vertrieb

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Gefeiert: Filme zum Jahr 1917

von cinemaclaco

Filme und Vorträge zum Jahr 1917 im Zeitgeschichtlichen Forum, Leipzig! HEUTE:
„THE ADVENTURER“
Charlie Chaplin, USA 1917
16mm-Filmkopie, ca. 24 MInuten
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„OKTOBER“ / „TEN DAYS THAT SHOOK THE WORLD“
Sergej M. Eisenstein, Russland 1927/28
16mm-Filmkopie, ca. 80 Minuten

Zum 100. Jahrestag der Oktoberrevolution zeigen das Leipziger Zeitgeschichtliche Forum und der Stummfilmpianist Richard Siedhoff den berühmten Revolutionsfilm von Eisenstein in der englischen Schnittfassung „Ten Days That Shook The World“. Jene Fassung, die, zurückgehend auf die deutsche Fassung, seinerzeit international die Rezeption bestimmte und heute weitgehend nicht mehr zu sehen ist. Als Vorfilm gibt es Chaplins Klassiker „The Adventurer“ von 1917 in der Originalfassung.

Beginn 19:30 Uhr, der Eintritt dürfte kostenlos sein


© der Film- und Personenbilder beim jeweiligen Studio/Vertrieb

Diven, Stars und Sternchen # 4: Louise Brooks

von cinemaclaco

Im Zentrum des Films TAGEBUCH EINER VERLORENEN (G.W. Pabst, Weimarer Republik 1929) leuchtet das strahlende Gesicht der US-amerikanischen Schauspielerin Louise Brooks. Es ist klassisch schön; zielgenaue Augenbrauen und ein kurzer Bubiharrschnitt rahmen das eigentliche Zentrum ihrer Züge und das sind ihre großen dunklen Augen.

Mit einem Blick erzählt Brooks mehr als ihre europäischen Kollegen, die mimisch und gestisch viel zu dick auftragen und an ihrer Seite in Posen erstarren. Nicht nur dank des naturalistischen Schauspiels war Louise Brooks ihrer Zeit weit voraus und wurde infolge von ihrem Studio verkannt. Die Bosse der Paramount missverstanden Brooks Schauspielstil als Nichtkönnen. Und so kam es, dass sie, die dem Studiosystem sowieso kritisch gegenüberstand ihren Vertrag selbst aufkündigte und Hollywood dankend Richtung Potsdam Babelsberg verließ. Zum Glück, denn sonst wäre das Stummfilmkino ohne DIE BÜCHSE DER PANDORA und TAGEBUCH EINER VERLORENEN (beide Filme von G. W. Pabst und aus dem 1929) um zwei der schönsten Stummfilme und die Popkultur um eine wichtige Ikone ärmer. Wer kennt es nicht Georg P. Hommels Photo von Louise Brooks’ weißem Profil, ihrem exakt gebürsteten, kurzen Bubikopf, schwarz gewandet, eine weiße, lange Perlenkette dramatisch vorm Körper haltend? Tatsächlich sollte es bis zu Jean Sebergs Kurzhaarschnitt und Jennifer Anistons Scheitel keine Filmfrisur geben, die einen derartigen Einfluss ausübte. Im TAGEBUCH EINER VERLORENEN markiert der Bubikopf die Phasen, in denen Thymians (Louise Brooks) Leben frei von Zwängen ist. Die Geschichte der Berliner Apothekertochter, die verführt, schwanger und verstoßen wird, hätte in jeder anderen Besetzung melodramatisch überzeichnet werden können. Louise Brooks hingegen führt ihre Figur Thymian stolz und selbstbewusst durch die dritte und bekannteste Verfilmung von Margarete Böhmes Skandalroman aus dem Jahre 1905. TAGEBUCH EINER VERLORENEN sollte Louise Brooks letzter Stummfilm und ihr letzter großer Film werden.

LOUISE BROOKS_ TAGEBUCH_1

Via Frankreich in die Heimat zurückgekehrt, drehte sie dort nur noch B-Filme und entkam dem Ruf eine Diva zu sein nicht. Erst viele Jahrzehnte später sollten französische Filmkritiker Louise Brooks wiederentdecken, sie mit Retrospektiven ehren und ihr endlich den Status einräumen, den die Studios der 20er Jahre versäumt hatten ihr anzuerkennen. Louise Brooks, die in Hollywood wie ein Sternchen gecastet wurde, war und ist ein Star, der seine eigne Zeit überstahlt.

Der Film wird am 18.11.2017 um 18:00 Uhr im Großen Vortragsaal des GRASSI Museum Leipzig gezeigt und ist insgesamt die drittletzte Kooperationsveranstaltung des Cinémathèque Leipzig e.V. und des Museums für Musikinstrumente der Universität Leipzig. An der Welteorgel begleitet von Sr. Maria Wolfsberger, mit Einführungen.


© der Film- und Personenbilder beim jeweiligen Studio/Vertrieb

CINEMA! ITALIA!

von cinemaclaco

Ich habe so meine Gründe, warum die Leipziger Passage Kinos zu meinen Lieblingskinos zählen. Denn wo kann man sonst CINEMA! ITALIA! erleben? Nun ist die jährliche Festivalreihe wieder auf Tournee und macht seit dem 19. und noch bis zum 25. Oktober 2017 Station in den Passage Kinos Leipzig. Im Gepäck sind sechs deutsche Erstaufführungen – sechs Filme, die verschiedener nicht sein könnten. Darunter der absolute Kassenschlager dieses Jahres in Italien L’ORA LEGALE und der Gewinner in sechs Kategorien des Nationalen Filmpreises „David di Donatello“, quasi des italienischen Oscars,  INDIVISIBILI. Jeden Abend um 19.00 Uhr und am Sonntag zur Sonntags-Matinee um 11.30 Uhr wird ein Film in italienischer Sprache mit deutschen Untertiteln gezeigt.

CINEMA! ITALIA! tourt noch bis zum 13.12.2017 durch 18 Städte. La stazione terminale liegt traditionellerweise in Berlin.

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cinemaclacos Filmempfehlung ist: LA RAGAZZA DEL MONDO (Marco Danieli, I 2016)


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Ohrwurm der Woche # 44

von cinemaclaco

Dem Video THE FALL (Album: Woman, 2013) von Rhye ist deutlich eine gewisse dänische Eleganz anzumerken, was nicht überrascht, stammt doch ein Teil des Duos aus dem kleinen nördlichen Land. Passende Filmtipps zum Musikvideo wären sämtliche neueren Produktionen aus Dänemark, die um Familienangelegenheiten und Herzensdinge kreisen, allen voran DIE KOMMUNE (Thomas Vinterberg, DK 2016), NACH DER HOCHZEIT (Susanne Bier, DK/Schweden 2006), OPEN HEARTS (Pernille Fischer Christensen, DK 2010) oder eben der mittlerweile klassische Dogma-Filma DAS FEST (Thomas Vinterberg, DK 1999).


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GESEHEN: Στο Σπίτι – Sto Spiti

von cinemaclaco

Wie es der Originaltitel nahelegt, spielt die Handlung fast ausschließlich „zu Hause“. Den Lebensort bildet hier eine isoliert und doch malerisch gelegene Betonkonstruktion an der Küste unweit Athens. Für die georgische Haushälterin Nadja ist das geschmackvolle Domizil mehr als nur ein Arbeitplatz. Geschwächt von der brütenden Sommerhitze poliert sie das Glas, den Stein und den Stahl auf Hochglanz, welche die Kulisse für das unterkühlte Zusammensein von Evi, Iris und Stefanos bilden. Nadja fühlt sich emotional an die Frauen um Stefanos gebunden, hat sie doch für diese vor Jahren ihr eigenes Familienleben aufgeben. Als Gegenleistung gewährt man ihr Logis und Lohn jedoch keine Krankenversicherung. Wie unausbalanciert das Gefüge zwischen der Angestellten und ihren Herren ist, stellt sich dann in Zeiten der Wirtschaftskrise heraus. STO SPITI habe Karanikolas als ein Melodrama im ursprünglichen Sinn geplant. Douglas Sirk, der Meister des Weepies, definierte Melodramen, wie seinen Hollywoodfilm IMITATION OF LIFE, als „Dramen mit Musik“. Doch von Sirks Vorbild merkt man in diesem stilvoll inszenierten, die Lichtschattensymbolik überstrapazierenden Drama leider wenig. Dafür hat Athanasios Karanikolas dritter Spielfilm andere Stärken und die liegen vor allem in der großen Genauigkeit der Beschreibung von Machtverhältnissen zwischen den sozialen Schichten. Sehenswert!

STO SPITI (OmU) läuft heute Abend um 19:00 im Rahmen von Off Europa: Theater Kunst Griechenland in der Cinémathèque am Leipziger Südplatz.


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