CINEMUR N° 3

von cinemaclaco

LEIPZIG

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Fotos von cinemaclaco

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Veranstaltungstipp für den 13. Oktober

von cinemaclaco

Am 2. Oktober 1998, also vor 20 Jahren, wurden die Passage Kinos Leipzig in den Räumlichkeiten des Filmtheaterns der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft eröffnet. Am Samstag, dem 13. Oktober 2018 möchte das Kino, welches jeden seiner 5 Säle nach traditionsreichen jedoch nicht mehr existierenden Lichtspielhäusern benannt hat, dieses stolze Jubiläum gern mit den Leipziger Cineasten feiern. Auch cinemaclaco und cinemaclaco Jr. schreiben sich den Termin schon jetzt in den Kalender.

Wir sehen uns! Wo? Im Kino!

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© beim jeweiligen Rechteinhaber

 

MEMENTO. MORI 47

von cinemaclaco

ROBERT SIODMAK (8.8.1900 –10.3.1973)

Robert Siodmaks Mutter war Leipzigerin, er selbst wurde in Dresden geboren. Nach dem Abitur nahm er Schauspielunterricht und trat in kleinen Statistenrollen im Dresdner Schauspielhaus auf. Nach Jahren in einer Wanderbühne kam Siodmak 1925 als Übersetzer von Zwischentiteln zum Film. Nachdem er genügend Erfahrungen als Regieassistent und Cutter gesammelt hatte, drehte er 1929 den semidokumentarischen Film MENSCHEN AM SONNTAG. Der Großstadtfilm, an dem auch BILLY WILDER und FRED ZINNEMANN beteiligt waren, hatte großen Erfolg.

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Die Machtergreifung der Nazis trieb Siodmak im April 1933 nach Frankreich ins Exil; dort war er einer der wenigen Emigranten aus der Filmindustrie, der sich als Regisseur profilieren konnte. Es waren die politischen Spannungen noch vor Ausbruch des Krieges, die Siodmaks Karriere in Frankreich beendeteten und ihn in Hollywood zu einem dritten Neuanfang zwangen und mit Film Noirs seine schönsten Film hervorbrachten. Sein Großstadtfilm SCHREI DER GROSSSTADT zählt noch heute als Klassiker der Studioära. Die komödiantisch inspirierte Piratengeschichte DER ROTE KORSAR war 1952 Siodmaks erster Film in Technicolor und sein letzter kommerzieller Erfolg in den USA. Zurück in Deutschland drehte er NACHTS, WENN DER TEUFEL KAM, für den er zahlreiche Preise und eine Oscar-Nominierung erhielt. Nach KATJA drehte er Karl May-Verfilmungen und zog sich in die Schweiz zurück.

UNSERE FILMEMPFEHLUNGEN: MENSCHEN AM SONNTAG (Weimarer Republik, 1930) und DIE KILLER (USA 1946)


© der Film- und Personenbilder beim jeweiligen Studio/Vertrieb und Arne Reimer

MEMENTO. MORI 46

von cinemaclaco

CLAUDE SAUTET (23.2.1924 – 22.7.2000)

Zunächst nahm Claude Sautet ein Studium der Malerei und Bildhauerei auf, dann wechselte er zur Pariser Filmhochschule IDHEC (La Fémis). Neben seiner Tätigkeit als Jazzkritiker arbeitete er als Regieassistent; später war er als Fernsehproduzent und Drehbuchautor tätig. Sautet schrieb nicht nur die Skripte für seine eigenen Filme sondern war zugleich Paris’ gefragtester Drehbuchdoktor, also der Mann, an den man sich wandte, wenn man im Skript steckengeblieben war, jedoch die Produktion schon in trockenen Tüchern hatte. Sautet schrieb um und wurde dafür nicht in den Credits erwähnt.

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Nachdem er solide zwei Genrefilme gedreht hatte, fand Sautet 1970 mit DIE DINGE DES LEBENS sein Thema und wichtiger noch seinen eigenen Stil. Mit Romy Schneider und Michel Piccoli als Liebespaar besetzt, ist der Film eine Liebesgeschichte und zugleich eine überzeugende Studie der französischen Lebensart des Mittelstandes dieser Zeit. In allen folgenden Filmen Sautets ist seine Freude am geselligen Zusammensein, seine Vorliebe für Bistros und Cafés und die nüchterne Beobachtung von Vorgängen und Ereignissen eingeflossen. Romy Schneider ermöglichte er mit diesen Filmen eine erfolgreiche Karriere in Frankreich, wo sie dank der Rolle in DAS MÄDCHEN UND DER KOMMISSAR zum Inbegriff der modernen Frau avancierte und das süßliche Image als Sissi hinter sich lassen konnte. 1978 erhielt Sautet einen Oscar für EINE EINFACHE GESCHICHTE, ein Film in dem Romy Schneider erneut mitspielte.

Unsere Empfehlung: DIE DINGE DES LEBENS (Frankreich/Italien/Schweiz 1970)


© der Film- und Personenbilder beim jeweiligen Studio/Vertrieb und Arne Reimer

MEMENTO. MORI 45

von cinemaclaco

WILLIAM WYLER (1.7.1902 – 27.7.1981)

Willi Wyler wurde im elsässischen Mülhausen geboren. 1920 stellte ihm dort seine Mutter einem Cousin der Familie, dem in im Urlaub verweilenden Carl Laemmle vor, der als Chef der Universal Studios tätig war. Bei Universal verbrachte William Wyler seine Lehrjahre und seine Gesellenzeit. Als Wyler 1935 Universal verließ, begann er seine zweite Karriere für den unabhängigen Produzenten Samuel Goldwyn, für den er seine großen klassischen Filme ZEIT DER LIEBE und DIE BESTEN JAHRE UNSERES LEBENS drehte. Für Warner führte der Unabhängige Regie bei JEZEBEL – DIE BOSHAFTE LADY sowie DAS GEHEIMNIS VON MALAMPUR und für MGM den wunderbaren Film MRS. MINNIVER.

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Wyler drehte oft Filme über Menschen, die sich wohlfühlen in ihrer Umgebung, die sich aufgehoben glauben unter Freunden und Bekannten und dann von einem Tag auf den anderen aus allen Träumen herausgerissen werden. Wyler bringt amerikanische Träume ins Wanken. Auch DIE BESTEN JAHRE UNSERES LEBENS ist ein bitterböser Kommentar zur Situation der US-Nachkriegsgesellschaft. In den 50er Jahren drehte er dann eher Unterhaltsames, wie EIN HERZ UND EINE KRONE (Vorlage zu NOTTING HILL) und BEN HUR. Wyler erhielt für seine Regie 3 Oscars für die Filme MRS. MINNIVER, DIE BESTEN JAHRE UNSERES LEBENS und BEN HUR.

UNSERE FILMEMPFEHLUNG: DIE BESTEN JAHRE UNSERES LEBENS (USA 1946)


© der Film- und Personenbilder bei Terry O’Neill und Arne Reimer

 

 

MEMENTO. MORI 44

von cinemaclaco

Paul Thomas Anderson * 26.6.1970 in Studio City, Kalifornien, USA

P. T. Anderson studierte zwei Tage an der NYU Film, ehe er das Studium abbrach, sich sein Schulgeld zurückgeben ließ und davon CIGARETTES & COFFEE drehte. Nebenbei arbeitete er als Produktionsassistent für Werbe- und Musikfilme. Als Kind sah Anderson unablässig Filme auf VHS. Sein Lieblingsfilm aller Zeiten ist NETWORK von SIDNEY LUMET. Wegen seines enzyklopädischen Filmwissens wird Anderson häufig mit FRANÇOIS TRUFFAUT und MARTIN SCORSESE verglichen.

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P.T. Anderson zählt MARTIN SCORSESE und JONATHAN DEMME zu den besten amerikanischen Regisseuren und seinen Vorbildern. STANLEY KUBRICK betrachtet er als Vater aller Regisseure, zumal er schwer sei, etwas zu drehen, was KUBRICK nicht bereits erfolgreich umgesetzt hätte. Sein guter Filmgeschmack lässt ihn selten und vielleicht bisher nur einmal bei den Arbeiten zu INHERENT VICE im Stich. Anderson arbeitete auch als Stand-by-Regisseur von ALTMANs A PRAIRIE HOME COMPANION: LAST RADIO SHOW. Wie ROBERT ALTMAN teilt er eine Vorliebe für große Ensemblefilme z.B. in MAGNOLIA. Anderson gilt als einer der interessantesten und viel-versprechendsten amerikanischen Regisseure der Generation, die mit VHS aufgewachsen ist. Für BOOGIE NIGHTS, MAGNOLIA, THERE WILL BE BLOOD, INHERENT VICE wurde er jeweils für den Drehbuch-Oscar nominiert. Insgesamt summieren sich bis 2018 acht Nomierungen der Academy auf seinen Namen, ohne dass er sich den begehrten Goljungen bisher hätte in sein Büro stellen können.

UNSERE FILMEMPFEHLUNG: PHANTOM THREAD – DER SEIDENE FADEN (GB/USA 2017)


© der Film- und Personenbilder bei Shin Katan und Arne Reimer