Movies 2018: Top 5

von cinemaclaco

  1. Call Me by Your Name (Luca Guadagnino, Italien/F/Brasilien/USA 2017)
  2. Lady Bird (Greta Gerwig, USA 2017)
  3. L’equilibrio (Vincenzo Marra, Italien 2017)
  4. 3 Generations – Alle Farben des Lebens (Gaby Dellal, USA 2015)
  5. Die Liebe der Kinder (Franz Müller, D 2009)

© der Film- und Personenbilder beim jeweiligen Studio/Vertrieb

GESEHEN: A COTTAGE ON DARTMOOR

von cinemaclaco

A COTTAGE ON DARTMOOR (Anthony Asquith, GB 1929)

Dass Barbiere gut aussehen, aber keinen roten Heller in der Tasche haben, weiß Sally nur zu gut und lässt sich auf die Avancen ihres Kollegen erst gar nicht ein. Die junge Maniküristin gibt ihm sodann auch einen Korb, als er sie ins örtliche Kino in einen Talkie (erste Tonfilme gegen Ende der Stummfilmzeit) einlädt. Lieber geht sie mit einem grobschlächtigen Bauern ins Lichtspielhaus, denn der ist solide und zeigt ihr auch Fotos seines neuerworbenen Cottages in Dartmoor. Der Plot ist recht einfach: Ein Barbier versucht den Bauern zu töten, der bei „seinem“ Mädchen erfolgreich war. Aber was Anthony Asquith, Freund und Leser von Marcel Proust, aus dieser Eifersuchtsgeschichte macht, erinnert an Prousts Swann und seine Befürchtungen in Bezug auf die von ihm verehrte Odette. Und auch stilistisch ist der Film sehr innovativ: von den UFA-Regisseuren hat Asquith die expressionistische Lichtgestaltung und die subjektive Kamera übernommen; die Montagesequenzen hat er von seinem großen Idol, dem Meister Sergej Eisenstein abgeschaut und bei Rückblenden fackelt er nicht lange, indem er sie durch Weichzeichner und Kameralinsen signalisiert, sondern springt nach einem Schnitt oder einer Texttafel sofort in die andere Zeitebene. Zu den schönsten Sequenzen des Films zählen jene im Schönheitssalon: Die Angestellten, wie sie in ihren weißen Kitteln um die Klienten herumtänzeln und mit für heutige Augen altmodischen, fast schon rätselhaften Gerätschaften hantieren und dabei den typischen Smalltalk abhalten, der in Montagesequenzen sehr humorvoll visualisiert ist. Anders als Hitchcock überfrachtet Asquith die Leinwand auch nicht mit Zwischentiteln, sondern kommt mit verhältnismäßig wenigen Texttafeln aus.

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Asquith, Sohn eines Premierministers und von Lady Oxford, hatte in Oxford studiert und dort die illustre Film Society, zu deren Mitgliedern H.G. Wells und Georg Bernard Shaw zählten, gegründet. Er war ein Mann von Welt. Guten Geschmack hatte er und noch besseren Filmgeschmack. Doch was noch wesentlicher ist, Asquith bekundete in seinem frühen Werk ein großes Vertrauen in die Bilder. Sein dritter Spielfilm sollte sein letzter Stummfilm sein: A COTTAGE ON DARTMOOR kam 1929 in zwei Versionen in die Kinos: Als Stummfilm und als near talkie, also in einer Version, in der die Kinosituation mit dem damals neuartigen Tobis Klangsystem vertont worden ist. Diese Variante des Films ist leider nicht erhalten, aber auch die Stummfilmversion ist allemal faszinierender als jeder Hitchcockfilm aus der selben Zeit. Deswegen wird über A COTTAGE ON DARTMOOR auch gesagt der Film „out-Hitchcocks Hitchcock“.

A COTTAGE ON DARTMOOR wird am 29.12.2018 um 18:00 Uhr im Grassimuseum aufgeführt und live an der Welteorgel begleitet.


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CELEBRATING GLORIA GRAHAME

Gloria Grahame (28.11.1923 – 05.10.1981) war eine US-amerikanische Schauspielerin. Grahame war die Tochter eines Architekten und einer Theaterschauspielerin, die später Schauspiellehrerin wurde. Früh begann sie als Kind Theater zu spielen und brach deshalb auch ihre Schullaufbahn frühzeitig ab, um mit einem Theater auf Tournee zu gehen. Sie schaffte es bis zum New Yorker Broadway, wo sie in den 1940er Jahren von Hollywoodproduzent Louis B. Mayer für den Film entdeckt wurde. Ihr Filmdebüt gab sie 1944. Erste Aufmerksamkeit erregte sie in einer Nebenrolle in Frank Capras Ist das Leben nicht schön?. In dem Film Film Stars Don’t Die in Liverpool (2017) wird sie von Annette Bening dargestellt.


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CINEMA ITALIA ab Nikolaus in Leipzig

CINEMA! ITALIA! vom 6. bis 12. Dezember

Seit 21 Jahren tourt CINEMA! ITALIA! alljährlich durch Deutschland und macht auch wieder Station in den Passage Kinos. Eine Woche lang anspruchsvolles neues italienisches Kino – zumeist leere Kinos, daher freie Platzwahl und sechs neue interessante Produktionen, von witzigen Komödien bis zu bewegenden Dramen, die auf Italienisch mit deutschen Untertiteln zu sehen sind. Viele der Filme beschäftigen sich erneut mit der aktuellen sozialen Spaltung der italienischen Gesellschaft in arm und reich, jung und alt, Migranten und alteingessene Bürger und sind so zugleich ein Spiegelbild Italiens.


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Geteilt: FILMKUNSTHAUS in Leipzig

via LVZ

Der Haushaltsausschuss des Bundestags hat rund 10,5 Millionen Euro für den Bau eines Filmkunsthauses in der Feinkost bewilligt. Auf Landesebene will der Freistaat noch einmal die gleiche Summe beisteuern. Damit entsteht eine völlig neue Kultureinrichtung, die es so im Osten Deutschlands noch nicht gibt. Sowohl im Bund als auch im Land stehen die endgültigen Zusagen in Form des Haushaltsbeschlusses noch aus.

Wenn alles klappt, wird im Südflügel der Feinkost bis 2020 eine mittelgroße Spielstätte gebaut. Nach den bisherigen Plänen des Architekturbüros W&V werden die Katakomben zu zwei Hauptspielsälen verwandelt. Gesamtkapazität: 240 Plätze. Die dritte Katakombe ist für die Technik vorgesehen. Ein dritter Kinosaal mit 30 bis 50 Plätzen ist im Erdgeschoss geplant. Im Eingangsbereich soll es eine gastronomische Versorgung geben sowie Platz für Ausstellungen und Filmgespräche. Das erste Obergeschoss bekommt ein Restaurant – und vielleicht auch eine Terrasse. In der zweiten und dritten Etage könnten Start-Ups aus der filmnahen Branche sowie Vereine unterkommen. Ein Fahrstuhl verbindet alle Geschosse bis runter in die Katakomben. „Wir arbeiten seit 2013 an dem Projekt“, erklärt Angela Seidel, Geschäftsführerin der Cinémathèque. Der Verein organisiert sein Kinoprogramm derzeit in der naTo. „Es ist überwältigend und kaum zu fassen“, freut sich Seidel über das positive Votum aus Berlin. Etwas vorsichtig ist die Chefin aber noch, solange der Bundestag den Haushalt nicht endgültig beschlossen hat.

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Und was erwartet die Besucher des neuen Filmkunsthauses in der Karl-Liebknecht-Straße? Was ist der Unterschied zu anderen Kinos in der Stadt? „Wir verfolgen einen ähnlichen Ansatz wie Museen oder Bibliotheken“, erklärt Seidel. Es gehe um ein ganzheitliches Konzept. Natürlich werden in erster Linie Filme gezeigt. Doch darüber hinaus soll es Platz geben für Ausstellungen, Lesungen, Filmgespräche, Veranstaltungen mit Musik, die Verknüpfung mit Theater und Kunst, Kooperationen und Projekte mit Schulen und Universitäten. „Wir wollen dieses prägendste kulturelle Medium des 20. Jahrhunderts zeigen und abbilden.“ Mit „Filmbildung“ umschreibt Seidel das Prinzip. Wie wirken bestimmte Filmsequenzen und Schnitte auf den Betrachter? Wie werden Bilder wahrgenommen? Wie nimmt Film Einfluss und inwieweit soll er das? „Darüber wollen wir ins Gespräch kommen – ohne zu werten“, sagt Seidel. Das Konzept sei besonders. „Im Osten Deutschlands gibt es so ein Haus noch nicht.“ Wie genau das Betreibermodell aussehen wird, ist bislang unklar. Dass die Cinémathèque dabei eine zentrale Rolle spielen wird, steht aber wohl fest. ….


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