TRAUMLAND: ausgeträumt

by cinemaclaco

traumland

Am 24.12. trifft eine bulgarische Sexarbeiterin auf Menschen verschiedener sozialer Schichten und Religionen. Gut gespielter Debütfilm, der sich Schopenhauers Aussage: „Die Prostituierten sind die Opfer auf dem Altar der Monogamie.“ annimmt.

In Zürich fällt kein Schnee und auch sonst stellt sich weder in den Kammern mit kaltem LED-Licht noch in den dekorierten Stuben ein Weihnachtsgefühl ein. Petra Volpe hat den zeitlichen Rahmen ihres Debüts bewusst auf den 24. Dezember gelegt, jenem Tag, an dem bei den meisten Menschen die Erwartungen an sich selbst und andere hoch sind und die Nerven blank liegen. Das Zentrum des Episodenfilms bildet Mia, eine bulgarische Sexarbeiterin, die im Streetwork-Projekt OASE auf die Sozialarbeiterin Judith trifft. Diese geht öfters fremd, was ihren Ehemann Jonas, der seine intimen Wünsche eher beim Backen auslebt, aus dem gemeinsamen Musterhaus treibt. Neben Mia wohnt die spanische Witwe Maria, die sich in einem ehrenwerten Viertel wähnt und deren Katholizismus sich beim Begehen kleinerer Sünde als hilfreich erweißt. In der Nacht wird Mia von der schwangeren Lena aufgesucht, die verstehen will, warum ihr Mann fremdgeht. Die meisten Figuren tragen biblische Namen und verwechseln Sex mit Liebe. Volpe fängt das und diverse emotionale Belastungsproben gut ein: Da ist z.B. die Weihnachtstourismusfamilie von deren Mutter ein scharfes „Sag einfach mal gar nichts!“ zu vernehmen ist. Nicht alle Szenen sind so prägnant inszeniert; auch hören sich nicht alle Dialoge so lebensecht an. Judith Kaufmanns Kameraarbeit orientiert sich deutlich an Antonionis Beziehungsdrama „Rote Wüste“, doch die Montage untergräbt mit ihrer vorhersehbaren Anordnung der Handlungsstränge jeglichen Spannungsbogen. Letztlich lebt der Film von seinem Cast in dem Bettina Stucky, Luna Zimić Mijović, als auch Almodóvars Muse Marisa Paredes (Photo) brillieren. Stefan Kurt liefert eine Glanzleistung als Jonas. Devid Striesow als Lenas Gatte übt sich derweil darin variantenreich „Also bitte!“ oder „Oh, bitte“. zu sagen.

© beim jeweiligen Studio/Vertrieb


 

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