Kulturtipp: Kinoorgel live am 28.3.2015 um 18:00

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"A MODERN MUSKETEER" Douglas Fairbanks

Die drei Musketiere (Fred Niblo, USA 1921)

Hollywoodregisseur Fred Niblo hatte sich in den 1920er Jahren auf Heldenepen, Literaturadaptionen und die Zusammenarbeit mit Douglas Fairbanks spezialisiert. Seiner Literaturverfilmung von Alexandere Dumas‘ Roman Die drei Musketiere geht eine Texttafel voraus, die kurz und bündig den Plot dieses Mantel-und Degenfilms zusammenfasst: „Youth will ever set out to seek fortune. Man will ever fight for the love of Woman. King will threaten – Queens weep – Ministers conspire.“ In der Verfilmung von 1921 freundet sich Gascon D´Artagnan (Douglas Fairbanks) mit den Draufgängern Athos, Porthos und Aramis an und bekämpft mit ihnen den intriganten Kardinal Richelieu (Nigel De Brulier), der unverschämterweise gegen die schöne Königin intrigiert und schlimmer noch diese zum Weinen bringt. Kurz nichts was sich für die Musketiere nicht mit einem Degen oder einer Extraportion Charme wieder in Ordnung bringen ließe.

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Doch letztlich dienen die historischen Ereignisse um König Ludwig VIII. und Kardinal Richelieu nur als Staffage, um Fairbanks, der nicht nur Star sondern auch Produzent des Films war, glorios in Szene zu setzen. Insofern gilt auch bei der Inszenierung des Stummfilms Dumas‘ Motto. „Alle für einen und einer für alle!“

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Während der Regisseur des Films bereits wenige Jahre später in Vergessenheit geriet, umgibt seinen Star Douglas Fairbanks auch 75 Jahre nach dessen Tod immer noch eine Aura von Hollywoodglamour. Fairbanks war nicht nur ein begabter und populärer Schauspieler, der gekonnt seine Physis in Szene zu setzen wusste und jeden Stunt selbst übernahm, sondern als Harvardabsolvent und ehemaliger Wall Street-Mitarbeiter auch ein begnadeter Geschäftsmann. Zusammen mit Mary Pickford, Charles Chaplin und D.W. Griffith gründete er United Artists, Hollywoods erstes unabhängiges Studio. 1927 zählte er zu den Gründungsmitgliedern der Academy of Motion Picture Arts and Sciences. Fairbanks selbst gewann nie einen Oscar© für seine athletischen oder gar schauspielerischen Leistungen. Erst posthum wurde ihm ein Ehrenoscar© in seiner Eigenschaft als erster Präsident der Academy zugesprochen.

  • 28. März 2015 um 18:00 Uhr im Großen Vortragssaal des GRASSI-Museums, mit Einführungen, an der Welteorgel spielt Richard Siedhoff

© der Film- und Personenbilder beim jeweiligen Studio/Vertrieb


 

 

WHIPLASH: Jazz als Leistungssport

Der 19-jährige Schlagzeuger Andrew Neiman (Miles Teller) ist Student an einem renommierten Musikkonservatorium in Manhatten. Dort gerät er immer wieder mit seinem unnachgiebigen Mentor Terence Fletcher (J.K. Simmons) aneinander, der das Potential des Jungen sieht und ihm keinen Fehler, nicht einmal die kleinste Ungenauigkeit durchgehen lässt. Andrew übt und übt, bis ihm die Finger bluten, denn er will nicht wie sein Vater (Paul Reiser), ein verhinderter Schriftsteller, in der Mittelmäßigkeit enden. Andrew will zu den besten Jazz-Drummern der Welt gehören. Er gibt alles und strebt nach Perfektion – koste es, was es wolle. (Moviepilot)

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Es wird wohl eine Weile dauern bis man nach diesem Film sich wieder unbefangen die Stücke Whiplash und Caravan anhören kann. In WHIPLASH liefern sich ein dogmatischer und cholerischer Lehrer und sein nicht unbegabter Schüler ein Psychoduell, das auch an den Nerven der Zuhörer und Zuschauer zerrt. Auch J.K. Simmons Oscar-nominierte Performance ist mit ihrem Overacting eine Tour de Force.

© der Film- und Personenbilder beim jeweiligen Studio/Vertrieb


INHERENT VICE: filmische Mängel

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Manche Filme lassen einen ratlos zurück. Im Falle von P.T. Andersons neuestem Werk, schließe ich mich der Hauptfigur an, die achselzuckend meint: „I don’t know what I just saw.“ und unterstelle dem Regisseur, dass er aus Thomas Pynchons Buch bewusst den Satz „Don’t worry, thinking comes later.“ übernommen hat.

PS: The phrase „Inherent Vice“ refers to „the tendency in physical objects to deteriorate because of the fundamental instability of the components of which they are made, as opposed to deterioration caused by external forces“—a mouthful that refers simultaneously to the characters, their city, their nation, and the particular historical period that has defined all of it, and that is already passing into memory when „Inherent Vice“ begins. (Matt Zoller Seitz)

© der Film- und Personenbilder beim jeweiligen Studio/Vertrieb


 

 

Guilty Pleasure #1: THE NEWSROOM

The Newsroom ist eine US-amerikanische Fernsehserie von Oscarpreisträger Aaron Sorkin, die von 2011 bis 2014 in Los Angeles, Kalifornien, produziert wurde. Die Serie zeigt den Alltag der Nachrichtenredaktion eines fiktiven Kabelsenders. (Wikipedia)

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Interessant ist die Narratologie der Serie unter verschiedenen Gesichtspunkten. Zum einen welche Ereignisse der jüngeren US-amerikanischen Gegenwart ihren Weg in Sorkins Drehbuch geschafft haben, zum anderen wie sich das Machtgefüge innerhalb der Hauptprotagonisten verschiebt und damit einhergehend mit welchem Geschick von Aaron Sorkin das amouröse Vieleck – in den zwei in Deutschland bisher auf DVD vorliegenden Staffeln –  immer wieder neu aufgezogen wird, ohne ernsthaft seine Glaubwürdigkeit zu verlieren.

Das einzige Manko der Serie ist die Darstellung der weiblichen Charaktere. Man muss sich jedoch nicht mit feministischer Filmkritik beschäftigt haben, um Anstoss an den folgenden Punkten zu nehmen.

  • Obwohl die Ausführende Produzentin MacKenzie McHale (Emily Mortimer) in der beruflichen Hierarchie über dem Moderator Will McAvoy (Jeff Daniels) steht, nimmt dieser es sich heraus, sie aus privaten Gründen zu demütigen. Sie wiederum verhält sich aus den gleichen Gründen sehr oft unsicher, hektisch und linkisch. Das Schema ist in dieser Figurenkonstellation folgendes: McAvoys Betragen ist aus verschieden Gründen professionell nicht tragbar und sie sieht es ihm nach, weil sie das berufliche big picture nie aus den Augen verliert.

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  • Sloan Sabbith (Olivia Munn) moderiert die Wirtschaftsnachrichten, spricht fließend Japanisch und sieht extrem gut aus. Olivia Munn war TV-Moderatorin bevor sie als Schauspielerin tätig wurde und verbrachte ihre Jugend in Tokio. Sie ist attraktiv und sehr selbstironisch, wie man bereits dem Titel ihrer Autobiographie Suck It, Wonder Woman! The Misadventures of a Hollywood Geek entnehmen kann. Sorkin lässt viele Details aus Munns Privatleben in Sabbiths Figur einfließen, etwa, dass sie mit einem Quarterback liiert ist. Gleichzeitig demontiert er Sloans Status als Superwoman, in dem sie Opfer u.a. von Nacktfotoskandalen werden lässt. Hier stört v.a. das geringe Selbstbewusstsein von Sloan Sabbith, die des häufigeren grübelt ob ihre äußere Erscheinung männlichen Begehrlichkeiten entspricht. Noch weniger nachvollziehbar ist ihre Gutmütigkeit in Bezug auf Neal Sampats (Dev Patel) obstruse Hacking-Ideen.

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  • Maggie Jordan (Allison Pill) rennt meist hektisch durch die Flure der Redaktion, macht Fehler über Fehler und weiß noch weniger was oder wen sie will als ihre Kolleginnen. Das nimmt fast schon tragische Ausmaße an und ist psychologisch nicht mehr nachvollziehbar. FAZIT: Es geht in NEWSROOM weniger um einen Nachrichtenkrieg. Die eigentlichen Schlachten werden auf ganz anderen Feldern ausgetragen.
     © der Film- und Personenbilder beim jeweiligen Studio/Vertrieb

AMOUR FOU: ironisch gezähmt

In einer ganz bitteren Ironie erzählt die Regisseurin darin wie Heinrich von Kleist, einer jener großen deutschen Dichter und Denker, ein Romantiker, fataler Romantiker, bestechender Pragmatiker, dieser Mann, eine Partnerin nicht zum Leben sucht, sondern zum Sterben. Nach langer vergeblicher Mühe findet er in der Ehefrau eines Bekannten, Henriette Vogel, eine mögliche Partnerin. (Patrick Holzapfel, Viennale Katalog)

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Preußen im Jahr 1810. Eine Ehe im ruhigen Fahrwasser mit Schlafhauben und getrennten Betten. Er beschäftigt sich mit der neuen Steuer für alle Stände. Ihr ist es genug, sein Eigentum und für die gemeinsame Tochter da zu sein. Die Vogels nennen sich liebevoll Vogel und Täubchen. Mitten in die Biedermeier-Idylle ihrer Ehe mit Abendgesellschaft und Hausmusik platzt ein gutaussehender, junger Herr. Während Mozarts „Das Veilchen“ durch den stilvoll eingerichteten Salon klingt, erwacht bei Henriette Vogel ein Interesse für den Neuankömmling.

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Man schaut sich an, man schaut weg und zurück. Er heißt Heinrich und ist ein von ihr verehrter Dichter. Man wird einander vorgestellt und betreibt zunächst etwas gestelzt Konversation. Dann meint sie, dass man oft das Eine sage und doch das Andere fühle. Heinrich offenbart daraufhin: „Ja so ist das öfter. Man denkt, man möchte leben und möchte doch sterben.“

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Szenenwechsel. Heinrich ist auf einer anderen Feier. Eine Dame erkundigt sich: „Ist es vielleicht die Galle, die Ihnen auf die Seele drückt?“ Heinrich erwidert: „Es ist nicht die Galle, die mich drückt sondern die Welt an sich und jeder einzelne Teil in ihr.“ Da er sich wie ein Zaungast im Leben fühlt, schlägt der egozentrische Heinrich seiner liebsten Freundin einen Suizidpakt vor. Diese lehnt das Ansinnen ab und so verfällt der impertinente Dichter auf Henriette als Partnerin zum Sterben. Immer dann, wenn es um Tod, Krankheiten oder Ohnmachten geht, schlägt Jessica Hausners ruhiger, bis ins Detail stimmiger Epochenfilm einen komischeren Ton an. „Amour fou“ – ein in die Irre führender Titel – ist eine ironische Tragikkomödie über das Konstrukt der romantischen Liebe.

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Fein austarierte Bildkompositionen liefern den Rahmen für eine Handlung, zu der Heinrich von Kleists Briefe, Leben und Sterben die Regisseurin inspiriert haben.

© der Bilder beim jeweiligen Studio/Vertrieb


THE THEORY OF EVERYTHING: Gegensätze ziehen sich an

Der brillante Physikstudent Stephen Hawking erfährt im Alter von 21 Jahren, dass er eine tödliche Krankheit hat. Die Ärzte geben ihm daraufhin eine Lebenserwartung von zwei Jahren. Seine tiefe Liebe und Verbundenheit zur der Kommilitonin Jane Wilde gibt ihm jedoch neuen Mut. Die Zwei heirateten und bekommen bald drei Kinder. Während Stephens Körper mit der Zeit immer schwächer wird, wächst sein Geist immer weiter und bringt ihn zu Höchstleistungen. (Trailerseite)

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Auf einer Party in Cambridge lernen sich Jane Wild und Stephen Hawking kennen. Er spricht sie verlegen an: „Hello!“ Sie erwidert ebenso einsilbig die Begrüßung. Daraufhin schiebt er seine Fakultät „Scienes“ nach und sie entgegnet „Arts“. Wortgewandt wie er ist, stösst er „English“ heraus und sie kontert: „French and Spanish.“ Viele Treffen später meint sie impulsiv „I Love You.“ und er entgegnet: „That’s a false conclusion.“ Es folgt eine ungewöhnliche Liebensgeschichte, die von James Marsh ziemlich gewöhnlich oder zumindest handwerklich solide nacherzählt wird. Kurz zusammengefasst, könnte die Geschichte auf folgenden Nenner gebracht werden: Gegensätze ziehen sich an, stoßen sich nach einer gewissen Zeit aber ab, denn gleich und gleich gesellt sich gern.

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Warum man sich THE THEORY OF EVERYTHING dennoch und vielleicht auch am Valentinstag ansehen sollte, ist Eddie Redmaynes Performance. Bereits im gesunden Zustand hat sein Stephen Hawking etwas Windschiefes, körperlich um die eigene Achse Verdrehtes an sich. Wie er dann den Fortgang der unheilbaren Muskel- und Nervenkrankheit mit wenigen Gesten aber unter Einsatz jedes Knöchels spielt, ist sehenswert. Vor allem überzeugt uns Redmayne davon, dass Hawking nicht nur ein begnadeter Logiker, sondern anscheinend auch ein verführerischer Charismatiker ist.

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Im Einzelbild ist die Wucht seines Charmes einfach nicht zu erfassen. Vielmehr mutet sie verkrampft an. Redmayne (Jahrgang 1982) hat bisher nicht sonderlich viel gedreht. Er scheint sich jedoch in britischen Kostümfilmen und Biopics besonders gut aufgehoben zu fühlen. Es bleibt abzuwarten, welchen Einfluss der Oscar als bester Hauptdarsteller für seinen weiteren Werdegang haben wird.

© der Film- und Personenbilder beim jeweiligen Studio/Vertrieb


 

SELMA: geduldige Nachhilfe in US-Amerikanischer Sozialgeschichte

Sommer, 1965. Das formal bestehende Wahlrecht für Afroamerikaner in den USA wird in der Realität des rassistischen Südens ad absurdum geführt. Schwarze sind Bürger zweiter Klasse und täglich Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt. Die Stadt Selma, Alabama, ist einer der Orte in denen sich der Widerstand formt. Dr. Martin Luther King (David Oyelowo), jüngst mit dem Friedensnobelpreis geehrt, schließt sich den lokalen Aktivisten an. (Studiocanal)

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Selma ist die Hauptstadt von Alabama. Das dortige Ortsschild behauptete 1965, dass dort der Mensch im Mittelpunkt steht. In Ava Du Vernays Biopic Selma steht Martin Luther King nicht unbedingt als Mensch im Mittelpunkt. Das Drama fokussiert auf die us-amerikanische Bürgerrechtsbewegung der 1960er Jahre und ihr Anliegen für Afroamerikaner das Wahlrecht zu erstreiten, konkret beschäftigt es sich auf die Bemühungen zu diesem Zwecke einen friedlichen Bürgermarsch von Selma nach Montgomery durchzuführen. Ausführlich zeichnet Du Vernay die dafür notwendigen Etappen nach, die Diskussionen in Kings Umfeld zur Strategiefindung im Umgang mit dem rassistischen Sheriff vor Ort, die Widerstände, auf die Luther King bei Präsident Johnson trifft, die rechtlichen Hebel, die George Wallace, der nicht minder rassistische Gouverneur zog. Exemplarisch wird die Benachteiligung anhand einer afroamerikanischen Frau gezeigt, deren wiederholter Antrag auf einen Eintrag in das Wählerverzeichnis spitzfindig und aus rassistischen Gründen abgelehnt wird.

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Annie Lee Cooper wird würdevoll und beharrlich von Oprah Winfrey gespielt, die auf ihre Filmografie blickend zunächst scherzhafte Zweifel hatte die Rolle zu übernehmen. „Ich musste ein wenig überredet werden, Annie Lee Cooper zu spielen. Ich war mir nicht sicher, ob ich sie spielen sollte. Sofia in Die Farbe Lila schlägt einen Sheriff k.o. und Gloria in Der Butler schlägt ihren Sohn. Es kann ja nicht angehen, dass ich immer nur Schlägerrollen spiele.“ Oprah Winfrey steht als Schauspielerin für die Darstellung von unterdrückten Frauen, die sich gegen Gewalt auflehnen, als Medienmogul ist sie sehr einflussreich, so einflussreich, dass die Übernahme dieser Rolle das Zustandekommen des Films gewährleistete.

Erschütternd ist es auch, zu erfahren, wie die örtliche Polizei mit couragierten afroamerikanischen Bürgern, die ihren Wahlschein beantragten, verfuhr. Mit Namen und Adresse wurden sie in Zeitungen gelistet. Eine Vorgehensweise auf die der Klan zurückgriff.

Du Vernay unterlegt den Film mit Zahlen und Fakten. Ob das Einblenden von Edgar J. Hoovers Spitzelberichten dem Plotverlauf wirklich dienlich ist, sei dahin gestellt. Irritierend ist es auch jeden Fall, ebenso wie dessen Unterlegung mit diversen staatsmännisch wirkenden Stempeln und Logos und die Unterlegung des jeweiligen Textes mit einem Schreibmaschinengeräusch. Dies mag didaktische Gründe haben und es schafft eine emotionale Distanz zum Gesehenen. Selma will mehr als nur der erste größere Film über Martin Luther King sein. Und genau dieser Anspruch steht der Regisseurin teilweise im Weg. Die Inszenierung verstärkt den Eindruck ein Stück Geschichtsbuch möglichst detailgetreu visualisiert zu sehen. Die Besessenheit der möglichst akkuraten Aneinanderreihung von fotografischen Dokumenten ist m.E. seit den 1990er Jahren eine unkreative Tendenz in Biopics, die Wahrhaftigkeit und Belegbarkeit des Gezeigten suggerieren soll.

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Bradford Young liefert aber nicht nur die im kollektiven Gedächtnis abgespeicherten Bilder, sondern schafft mindestens zwei Sequenzen von poetischer Schönheit. Irritierend daran mag sein, dass beide äußerst gewaltreiche Situationen in Szene setzen. Die erste zeigt, relativ zu Beginn des Films, ein Bombenattentat, bei dem vier afroamerikanische Mädchen sterben. Die Kamera vollführt in dieser Szene eine Art Ballett oder schlägt ein in Zeitlupe gedrehtes Rad um die eigene Achse. Akustisch unterstützt wird das durch ein Geräusch, welches an zerbrochene Holzbalken und das maschinelle Ticken einer Maschine erinnert. Die zweite Sequenz befindet sich im letzten Drittel des Films. Auf der Edmund Pettus Brücke haben die Polizeitruppen ein weiß dampfendes Gas gesprüht. In diesem weißen Nebel flieht eine in weiß gekleidete Demonstrantin vor einem berittenen Polizisten. Das Bild friert scheinbar ein und ist höchstwahrscheinlich als Metapher gemeint für den „heavy fog“, der im Drehbuch immer wieder von verschiedenen Figuren angesprochen wird. Selma ist immer dann berührend, wenn der Film die von Dokumenten und Geschichtsbüchern vorgegebenen Gleise verlässt.

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Etwa wenn Coretta und Martin Luther King ein völlig durchschnittliches Leben erträumen, in dem er einer Gemeinde vorsteht, nur ab und zu Reden hält und sie sich um die Abzahlung der Hypothek für das gemeinsame Haus kümmert. Dann steht auch kurz der Mensch Martin Luther King im Mittelpunkt des Films.

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Kinofilme 2014: Top Ten (out of 173)

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1. ONLY LOVERS LEFT ALIVE (Jim Jarmusch)
2. ERBARMEN (Mikkel Nørgaard)
3. BOYHOOD (Richard Linklater)
4. THE SECOND GAME (Corneliu Porumboiu) / DAS GROSSE MUSEUM (Johannes Holzhausen)
5. INSIDE LLEWYN DAVIS (Coen)
6. DIE BESTIMMUNG (Neil Burger)
7. LE PASSÉ – DAS VERGANGENE (Asghar Fahadi)
8. LIBERACE – ZUVIEL DES GUTEN IST WUNDERVOLL (Steven Soderbergh)
9. GODZILLA (Gareth Edwards)
10. DEUX JOURS, UNE NUIT (Dardenne)

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Kulturtipp: And the Winner is … am 20.2. um 20:15

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Der Academy Award, besser bekannt unter seinem Spitznamen Oscar, ist ein Filmpreis, der alljährlich von der US-amerikanischen Academy of Motion Picture Arts and Sciences für die besten Filme des Vorjahres verliehen wird. So weit so trocken und so gut. Und dennoch … Alle Jahre wieder, zerbrechen wir uns den Kopf wer den Oscar bekommen wird und wer ihn, in einer gerechteren Welt, in der v.a. die Academy etwas von Film versteht, gewinnen müsste. Am 20.2. gehen wir ab 20.15 in der Leipziger Programmvideothek memento. den Dynamiken der Oscars auf dem Grund. Im bebilderten Vortrag wird nicht nur auf die Geschichte der Academy eingegangen werden, sondern auch ihre Vorlieben, Skandale und Fehlentscheidungen diskutiert. Eintritt für Vortrag und Oscarorakel 2015 mit Gewinnchance: 3 €

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FOXCATCHER: Vorsicht Tollwutgefahr

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So kann es manchmal gehen. Man liest viele gute Kritiken, hört Positives bis Schwärmerisches, der Trailer macht auch einen spannenden und zumindest handwerklich guten Eindruck und dann wenn man den Film sieht und sich auf gutes Schauspielkino gefreut hat, kommt SO etwas. FOXCATCHER ist uninspiriert inszeniert, unmotiviert und leidenschaftslos erzählt, langatmig geschnitten und am schlimmsten – und ja es geht noch schlimmer – entsetzlich blutleer gespielt. Mark Ruffalo ist der Einzige, der weiß was er tut. Alle Anderen spielen im Autopiloten oder so als hätten sie mit Steve Carrell und Channing Tatum nicht nur für die eine Szene gekokst.

Die 129 Minuten von Bennett Millers Biopic ziehen sich in die Länge, was v.a. daran liegt, dass die psychologische Darstellung der Beziehung von John du Pont (Steve Carell) und Mark Schultz (Channing Tatum) in sich nicht stimmig ist. Liegt das an der Glättung und Literarisierung von Mark Schultz‘ Autobiografie mit dem barocken Titel Foxcatcher: The True Story of My Brother’s Murder, John du Pont’s Madness, and the Quest for Olympic Gold oder aber am Produktionsprozess von Filmen in Hollywood?

Dass der Film für die Oscars nominiert ist, passt, bei dem guten Marketing für den Film, ins Bild. Außerdem verwechselt die Academy traditionell Schauspielkunst mit dem Können des Makeupdepartements.

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