Augen auf bei der Berufswahl: Über die Darstellung von Berufen in aktuellen Kinofilmen

by cinemaclaco

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INTERSTELLAR (Christopher Nolan, USA/UK/Kanada 2014)

Eine keineswegs neue jedoch aktuell verstärkt zu beobachtende Tendenz im Casting für Blockbuster ist das Setzen auf bankable names. Es ist zweifelsohne eine ökomische Entscheidung Matthew McConaughey als Cooper, seines Zeichens Farmer und Astromon, in INTERSTELLAR zu besetzen. Fakt ist jedoch, dass ein anderer Schauspieler die Rolle besser d.h. glaubwürdiger hätte ausfüllen können. Cooper fliegt etwa  das hochtechnische Flugzeug genau so wie er seinen Truck über die staubigen Straßen drischt. Gutes Schauspiel kann man ja bekanntlich auf einen ganz einfachen Nenner runterbrechen und zwar auf die Frage der Glaubwürdigkeit oder noch einfacher ob das Schauspiel in den gegebenen Parametern eines Films funktioniert. McConaugheys Starpersona birgt ein nicht unerhebliches Quantum ‚Haudegen‘ in sich und genau diese Portion seines Charmes fügt sich nicht so recht in seine Rolle als Cooper ein. Das ist schon seltsam, denn in der HBO-Serie TRUE DETECTIVE hatte McConaughey ja auch bewiesen, dass er jenseits vom Alrighty-Charme auch ein guter Schauspieler ist.

BLACKHAT

BLACKHAT (Michael Mann, USA 2015)

Nick Hathaway (Chris Hemsworth) sitzt zu Beginn der Handlung für Internetverbrechen im Gefängnis ein. Problem hierbei: Man traut Chris Hemsworth die dazu notwendigen Synapsen eines Hackers, der noch dazu einer der Besten seines Zunft sein soll, einfach nicht zu. Hathaway wird dann vom FBI ob seiner technischen Expertise in den Hafturlaub geschickt. Er erweist sich dabei wiederholt besser im Handhaben „analoger Lösungen“. Als Mann fürs Grobe schlägt er mit einer Axt auf Schlösser ein und macht sowohl im Baumarkt bei der Werkzeugauswahl als auch ohne Tshirt eine gute Figur. BLACKHAT wäre sicherlich ein überzeugenderer Film geworden, wenn Keanu Reeves diese Rolle übernommen hätte.

© der Bilder beim jeweiligen Rechteinhaber


Guilty Pleasure # 2: THE KILLING

The Killing ist eine US-amerikanische Krimiserie, die von 2010 bis 2014 als Neuverfilmung der dänischen Krimiserie Kommissarin Lund – Das Verbrechen produziert wurde. (Wikipedia)

THE KILLING

by cinemaclaco

Remakes gibt es seit die ersten Kinofilme gedreht wurden. In Hollywood war diese Art der Filmverwertung seit den 1920er Jahren gängige Praxis. Zum einen wurden marktwirtschaftlich erfolgreiche Filme nach Ablauf einer gewissen Frist oft unter dem gleichen Titel nochmals mit neuen Stars verfilmt. Ein eindrucksvolles, wenngleich völlig willkürlich herausgegriffenes Beispiel hierfür wären die Broadway Melodies von 1929, 1945, 1937, 1940 und 1945. Zum anderen wurden in Europa erfolgreiche Filme mit den gleichen Stars in Hollywood nochmals verfilmt. Der unabhängige Hollywoodproduzenten David O. Selznick sah z.B. Ingrid Bergman in der schwedischen Produktion Intermezzo (Gustaf Molander, Schweden 1936) und war so angetan, dass er ihr ein Ticket nach Los Angeles schickte. Später drehten die beiden erneut Intermezzo (Gregory Ratoff, USA 1939).

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Im US-amerikanischen Fernsehen hat die Tendenz Remakes zu produzieren in den letzten Jahren deutlich zugenommen.  Israelische Serien wie בטיפול BeTipul und Hatufim waren z.B. die Vorlage für In Treatment und Homeland. Interessant ist ein Vergleich von BeTipul und In Treatment unter dem Gesichtspunkt der kulturellen Unterschiede. BeTipul wurde zudem in Argentinien nochmals als En Terapia verfilmt.

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Die dänische Serie Forbrydelsen – Kommissarin Lund ist eine klassische Krimiserie, die mit ihrem mäanderähnlichen Plot für intellektuell herausforderndes Fernsehen steht. Zudem ist sie bis in die kleinsten Nebenrollen mit herausragenden Schauspielern wie Lars Mikkelsen, Nicolaj Kopernikus, Nicolas Bro oder Nikolaj Lie Kaas besetzt. Das Setdesign ähnelt qualitativ dem einer Filmproduktion und auch die anderen künstlerischen Aspekte der Serienproduktion sind vollauf zufrieden stellend. V.a. die Filmmusik von Frans Bak stärkt den Charakter einer rundum gelungenen Produktion.

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Was macht AMC aus diesem Juwel des modernen Fernsehens? So wie die Frage gestellt ist, schwebt die Antwort bereits im Raum oder vor der Mattscheibe.

Es reicht eben nicht aus Sarah Lund eine Sarah Linden zu machen, die eine ähnliche Präferenz für wollene Strickmoden pflegt.

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Und es reicht auch nicht Frans Bak erneut für das Remake zu verpflichten, obgleich der sphärische Klangteppich durchaus ein Gefühl von Vertrautheit beim Schauen des Remakes vermittelt.

Warum nun ist The Killing weniger überzeugt als das Original? Das Remake verlagert die Handlung von Kopenhagen nach Seattle. Mit dem geographischen Transfer werden nicht nur die psychologischen Eigenheiten der Hauptfiguren nivelliert, sondern auch der Hergang des Verbrechens, die Motive des Mörders und der ganze Handlungsverlauf vereinfacht.  Darüberhinaus setzt sich der amerikanische Cast überwiegend aus Fernsehschauspielern zusammen.

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Fazit: Während Forbrydelsen – Kommissarin Lund spannende und intelligente Unterhaltung bot und auch deswegen ein kulturelles Phänomen war, versinkt die amerikanisierte Version im Serieneinerlei.

camilla

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