GESEHEN: Highlights der letzten Filmwoche

by cinemaclaco

  1. SPLENDID’S (Jean Genet, Deutsch von Peter Handke / Regie: Claudia Bauer)

Wenngleich Video im Leipziger Schauspiel häufiger zum Einsatz kommt, so waren die ersten 10 Minuten des Stückes, welche als Stummfilm – inklusive expressionistischer Mimik und Gestik – gefilmt, auf die Außenseite des Containers projiziert und von Zwischentiteln unterstützt waren, besonderes einprägsam. Weitere Aufführungen am 18. und 29. Oktober jeweils um 19:30 Uhr.

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2. SAMBA (Olivier Nakache, Éric Toledano, Frankreich 2014)

Im Kino einen Bogen darum gemacht, denn das Konzept von SAMBA erschien mir als recht simpler zweiter Aufguss des Regieteams von INTOUCHABLE aka ZIEMLICH BESTE FREUNDE. Zugegebenermaßen haben wir es in SAMBA erneut mit Menschen von verschiedenen gesellschaftlichen Polen zu tun, die zufällig aufeinander prallen. Ein, zwei kalkuliert durchchoreografierte Tanzsequenzen, so mutmaßte ich, dazu etwas Gesellschaftskritik im Weichspülgang … Doch weit gefehlt, denn da hatte ich nicht mit dem immensen Charme von Omar Sy und Charlotte Gainsbourgs Humor gerechnet und erst recht nicht mit Coca Cola und Bob Marley. Tudo bem, quoi.

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3. ORSON WELLES – TRAGISCHES GENIE (Elisabeth Kapnist, Frankreich 2015)

„Der Magier, der Prinz im Exil. Nie weiß man wo Orson gerade ist, sagen besorgt seine Freunde. Einziger Hinweis sind die dicken noch qualmenden Zigarren, die er verstreut wie Kieselsteine.“ Ganz behutsam nähert sich die Regisseurin Orson Welles. Sie folgt so den verstreuten Kieselsteinen der Privatperson, des genialischen Geistes und des kreativsten Regisseurs der Traumfabrik, dessen Karriere in Hollywood jedoch ein tragisches, da von verständnislosen Studiomogulen beschleunigtes, vorschnelles Ende fand. Eine Wiederholung des Films wird am Freitag, 16. Oktober um 2:50 Uhr (56 Min.) auf arte ausgestrahlt.

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4. FRANK (Lenny Abrahamson, UK/Irland/USA 2014)

… für Michael Fassbenders einfühlsame Darstellung eines zutiefst verstörten und dennoch äußerst charismatischen Charakters, der sich 3/4 der Filmlauflänge den Blicken der Zuschauer mittels eines überdimensionalen Pappmachékopfs entzieht. Besonders cinephil und gut vorbereitet waren die zwei Jungs in der gleichen Stuhlreihe, die sich dem Kinobesuch entsprechend maskiert hatten, sodass ich es im Cineding mit 3 Franks zu tun hatte: Einem vor mir auf der Leinwand und zweien direkt neben mir. Den Film sollte man nicht verpassen. Aktuell läuft er in OmU in der Kinobar Prager Frühling.

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5. MATJ – DIE MUTTER (W. Pudowkin, UdSSR 1926)

Jeder Stummfilm steht und fällt mit seiner Livemusikbegleitung. Daniel Beilschmidt, der Leipziger Universitätskantor, versteht es mit durchdachtem, minimalistischem Einsatz auf der Welteorgel Stimmungen zu erzeugen, ohne die Filme akustisch zu überfrachten oder mit einem zu naturalistischen Ansatz reines Mickey-Mousing zu betreiben.

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6. dis-APPEARANCE [*3] Als ob Wolken nach und nach Gestalt annähmen

Die Westpol-Kuratoren Sylvia Doebelt und Julian Rauter stellen auch im dritten Teil der Austellungsreihe dis-APPEARANCE Reflexionen über den Themenkomplex Verschwinden/Erscheinen in der zeitgenössischen Kunst an. Der Konzeptionsfokus der im Westwerk stattfindenden Ausstellung liegt dabei überwiegend auf Interaktionen mit dem Medium Film. Neben Clemens Klopfensteins »Geschichte der Nacht« in der Orte in der Dämmerung gefilmt und im Anschluss zu einer fiktiven, weiträumigen Stadt zusammengesetzt werden, ist auch »One11 with 103«, die einzig spielfilmlange Arbeit von John Cage ausgestellt. In der Ausstellungshalle wandert man von einem Film zum nächsten. Den Ton der jeweiligen Arbeit empfängt man über eine Radiofrequenz in seine Kopfhörer. Als ich von Klopfensteins Arbeit von der Frequenz 106,2 MHz zum Ton des nebenan positionierten »Primary« von Robert Drew (li.) wechseln wollte, poppte zwischen den Sendern ein ganz normales Radioprogramm auf. Queens A Kind of Magic (re.) unterlegte sodann sehr passend Jackies Unterstützung in J.F.K.s Wahlkampf.

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Und auch die Tonspur von John Cages »One11 with 103« (rechter Filmstill) erwies sich auf ähnliche Weise als perfekte Auratisierung für die photographischen Arbeiten aus der Reihe „Projectionist Series“ von Sheena Macrae. Das erinnerte mich zum zweiten Mal in dieser Woche daran, dass es mal wieder Zeit wird »Citizen Kane« von Orson Welles (linkes Foto) anzusehen. Etwas über den Ursprung und Hintergrund dieser Photoserien kann man hier lesen.

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In der Tat: »Die großzügige Ausstellungshalle des Westpol A.I.R Space«, so versichern die Kuratoren, »ermöglicht das simultane Abspielen verschiedenster Projektionen. Je nach räumlicher Positionierung ergeben sich für den Betrachter ständig neue Bedeutungskonstellationen.« Auch dank des zufälligen akustischen Crossovers war die Ausstellung faszinierend, denn wo kann man schon die Bee Gees zu Marguerite Duras‘ ironischen Augenbrauen und Gérard Depardieus perplexer Frage „C’est un film?“ erleben? Nur im Westpol! Bleibt zu hoffen, dass die Ausstellung vielleicht doch noch verlängert wird.

© der Film- und Personenbilder beim jeweiligen Studio/Vertrieb, für Splendid’s © Rolf Arnold


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