Veranstaltungstipp: KURZSUECHTIG

von cinemaclaco

Vom jahrelangen Filmesehen bin ich zwar extrem kurzsichtig geworden, habe aber auch eine Vorliebe für das Filmformat des Kurzfilms entwickelt und mich folglich sehr gefreut, Anfang des Jahres eine Anfrage als Mitglied in der Auswahlkommission Fiktion des mitteldeutschen FF KURZSUECHTIG zu erhalten. So kann ich nun die in dieser Sparte – am 31. März – gezeigten Filme von Herzen empfehlen. An den fünf Abenden vom 29. März – 02. April 2017 kommen die aktuellen Filme aus den Programmbereichen Animation, Dokumentation, Fiktion und Experimental auf die Leinwand der Leipziger Schaubühne. Da die Filmschaffenden alle einen Bezug zu Mitteldeutschland haben, werden die meisten von ihnen in der Schaubühne anwesend sein und sich auf Fragen des Publikums freuen. Erfahrungsgemäß macht das Festival seinem Namen alle Ehre und ist kurzweilig. Aber Achtung: hohes Suchtpotential!


Fotonachweis: KURZSUECHTIG E.V.

MEMENTO. MORI 36

DAVID LEAN

(25.3.1908 – 16.4.1991)

Seine Eltern waren Quäker, sodass ihm der Besuch von Theatern und Kinos als sündiges Tun verwehrt wurde. Dennoch begann der 19-jährige Lean, nach einem gescheiterten Versuch einen „ordentlichen Beruf“ zu ergreifen, in britischen Filmateliers zu arbeiten. Er stieg vom Teekochenden, über die Funktion als Schnittmeister in verhältnismäßig kurzer Zeit zum Regieassistenten von Noël Coward auf. Bereits seine dritte Regiearbeit, der für drei Oscars nomminierte Liebesfilm, BRIEF ENCOUNTER – BEGEGNUNG schrieb Filmgeschichte, indem er 1960  vom Regiekollegen Billy Wilder einen Gegenfilm provozierte. Wilders Film, THE APARTMENT, mit Shirley MacLaine und  Jack Lemmon kongenial besetzt, war nicht nur ein Publikumserfolg, sondern gewann auch fünf Oscars.

David Lean

Lean hatte anschließend mit zwei Charles-Dickens-Verfilmungen GEHEIMNISVOLLE ERBSCHAFT und OLIVER TWIST beim englischen Publikum großen Erfolg. Die Filme, die er zum Teil mit Sam Spiegel drehte, gründeten seinen Weltruhm: DIE BRÜCKEN AM KWAI brachten ihn 1963 einen Oscar als besten Regisseur ein, 3 Jahre später erhielt er in der gleichen Kategorie einen weiteren Academy Award für DOKTOR SCHIWAGO. Lean, der von STANLEY KUBRICK sehr geschätzt wurde, drehte nach DOKTOR SCHIWAGO ebenfalls auf Panvision 70mm den epischen Film LAWRENCE VON ARABIEN, der von Maurice Jarres Musik lebt.

FILMEMPFEHLUNGEN:  BRIEF ENCOUNTER (David Lean, GB 1945) & RYAN’S DAUGHTER (David Lean, GB 1970)


 

MEMENTO. MORI 35

von cinemaclaco

Friedrich Wilhelm Murnau

(28.12.1888 – 11.3.1931)

Eines steht fest, wer Friedrich Wilhelm Plumpe heißt, macht in Babelsberg und erst recht in Hollywood keine Karriere. Das dachte sich auch einer der wegweisendsten Regisseure der 1920er Jahre und benannte sich kurzerhand um. Murnau war wohl einer seiner Lieblingsorte und alsbald sein Künstlername. Als F.W. Murnau sollte der als Friedrich Wilhelm Plumpe 1888 in Bielefeld Geborene Filmgeschichte schreiben. Gutes Startkapital seine künstlerischen Ideen umzusetzen, bot die wohlhabenden Bürgerfamilie, in der Murnau heranwuchs. Er studierte Kunstgeschichte und Philologie sowohl in Berlin als auch in Heidelberg. Die Freundschaft mit Max Reinhardt ermöglichte ihm anschließend den Besuch der Max-Reinhardt-Schauspielschule. Reinhardt, Europas damaliger Theaterpabst, beschäftigte ihn später nicht nur als Schauspieler sondern auch als Assistenten. Mit diesem Wissen ausgerüstet kehrte Murnau nach seinem Kriegeinsatz wieder nach Berlin zurück und begann in Potsdam für den Film zu arbeiten.

Unter seinen verschwundenen Filmen befindet sich auch ein Großteil seines Frühwerkes. Was das Hauptwerk anbelangt, so ist Murnau, etwa dank NOSFERATU, FAUST oder SEHNSUCHT für seine psychologische Bildführung und die damals revolutionäre Kamera- und Montagearbeit v.a in DER LETZTE MANN bekannt und gilt neben Fritz Lang und Ernst Lubitsch als einer der bedeutendsten deutschen Filmregisseure der Stummfilmära.

DER LETZTE MANN erregte international Aufsehen und ermöglichte Murnau in Hollywood seine Arbeit mittels carte blanche fortzusetzen. Dort sollte mit SUNRISE einer der schönsten Liebesfilme der 1920er Jahre entstehen. Der französische Regisseur und Filmkritiker Eric Rohmer schrieb sogar seine Dissertation über Murnaus FAUST und auch die anderen Vertreter der Nouvelle Vague verehrten Murnau. Als dieser 1931 in Santa Monica starb, befanden sich bei seinem Begräbnis unter den Trauergästen Greta Garbo und Robert Flaherty; FRITZ LANG hielt die Grabrede.

Filmempfehlung: SUNRISE – A SONG OF TWO HUMANS (F.W. Murnau, USA 1927)